Die Bio-Mühle im hohen Norden

von Caro

Mitten in der Lüneburger Heide klappert ein besonderer Oldtimer: die Bohlsener Mühle. Vor über 40 Jahren hat Volker Krause sie vor dem Untergang gerettet und einen gesunden Öko-Betrieb daraus gemacht. Damit gehört er zu den Pionieren in der Branche.

Bohlsen ist ein idyllisches Heidedorf. Die Backsteinhäuser sind fein herausgeputzt, die Gerdau fließt munter durch den Ort, die Dorfgemeinschaft ist intakt. Im Zentrum steht eine Mühle aus dem 19. Jahrhundert. Viele verbringen dort ihren Urlaub, erholen sich in romantischen Unterkünften, paddeln auf dem Fluss, freuen sich über Heidschnucken in der Umgebung. Die Mitarbeiter der Bohlsener Mühle sind hier fleißig am Werkeln. Rund 300 Menschen bietet die Mühle mit ihren inzwischen hinzugekommenen Bäckereien eine sinnstiftende Tätigkeit. Rund 15 Nationalitäten gehören zum Team. Einige stammen aus weit entfernten Ländern wie Sri Lanka, Syrien und Afghanistan. Mit Herzblut mahlen und flockieren sie Getreide, komponieren Müslimischungen, stellen leckere Backwerke her, probieren neue Rezepturen aus. Die Bohlsener Mühle ist nicht irgendeine Mühle. Sie ist das Lebenswerk von Volker Krause.

Krause hat die Mühle im Jahr 1979 übernommen. Aus Liebe zur Heimat, aus Achtung vor dem elterlichen Betrieb, aus Überzeugung, dass die Wirtschaft in ökologische Bahnen gelenkt werden muss. Müller werden war eigentlich nicht sein Plan gewesen. In Banken oder Großkonzernen sah sich der studierte Volkswirt Krause allerdings auch nie. Viel mehr inspirierte ihn die Aussteigerbewegung der 70er-Jahre. Das Experiment, dern elterlichen Betrieb ökologisch zu bewirtschaften, reizte ihn. So wagte er es, in den Ort seiner Kindheit zurückzukehren und seine Ideen dort zu verwirklichen. In der Mühle sollten ausschließlich Bio-Rohstoffe verarbeitet und ökologische Produkte hergestellt werden. Er wurde als Spinner betrachtet, nicht ernst genommen,. Doch er blieb beharrlich und hielt an seiner Überzeugung fest, dass es nur ökologisch geht.. Bereut hat er seine Entscheidung nie. Die Bohlsener Mühle ist zu einem Vorzeigebetrieb geworden.

Die Walzenstühle der Bohlsener Mühle (c) Lars Wendlandt
Die Backstraße (c) Bohlsener Mühle

Rund 26.000 Tonnen Getreide werden pro Jahr verarbeitet. Der Input kommt aus ökologisch betriebener Landwirtschaft aus der Region. Auch spezielle Sorten wie Einkorn, Lichtkornroggen und Quinoa sind darunter. Der Output wird im Naturkostfachhandel, Drogerien und in ausgewählten, gut sortierten konventionellen Lebensmittelläden in Deutschland angeboten. Das Sortiment ist breit und reicht von  Mehl über frische Brote und Brötchen bis hin zu Keksen und Cerealien. Das Geschäft läuft. Volker Krause könnte sich gemütlich zurücklehnen, doch so vieles schwirrt durch seinen Kopf. Der Pioniergeist ist noch da. So vertritt er als Vorstand des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) die Interessen der gesamten Wertschöpfungskette auf Bundesebene,  und hat und ein Buch veröffentlicht, in dem er seine Ideen zum zukunftsfähigen Wirtschaften darlegt. Krause setzt sich ein für die Änderung politischer Rahmenbedingungen: „Wir brauchen Anreize für eine gemeinwohlorientierte und nachhaltige Unternehmensführung. So können wir Betriebe unterstützen, ökologisch zu handeln und zu wirken. Die dezentrale Erzeugung von und Versorgung mit Lebensmitteln spielen dabei eine maßgebliche Rolle, um eine zukunftsfähige ökologische Lebensmittelwirtschaft so vielen Menschen wie möglich nahe zu bringen“, ist Krause überzeugt.

bohlsener-muehle.de

Ein Auszug aus dem Produktsortiment (c) Lars Wendlandt
Ein Päckchen Gesundheit (c) Lars Wendlandt
Gründer Volker Krause (c) Thorsten Scherz

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