Think green, act green

von Caro

Nachhaltigkeit in der Ingenieursbranche hat viele Facetten. Allein in den Bereichen Recycling und Emissionen verringern gibt es viele Herausforderungen, Chancen und Probleme. MINT ließ dazu vier Experten zu Wort kommen: Peter Nickol, Jenö Zeltner, Markus Gogl und Thomas Bauer von Nickol & Partner.

Foto: moerschy auf pixabay

MINT: Herr Nickol, sehen Sie einen Wandel in der Baubranche, was Nachhaltigkeit betrifft?

Peter Nickol: Im Bereich Recycling passiert schon einiges. Material aus dem Rückbau und dem Bodenaushub wird etwa so aufbereitet, dass es gefahrlos weitergenutzt werden kann. 

MINT: Wie sieht das im Detail aus, Herr Gogl?

Markus Gogl: Bestandsgebäude müssen heute sortenrein abgebrochen werden. Beim so genannten selektiven Rückbau werden Giftstoffe richtig entsorgt und noch Verwertbares wird herausgefiltert. Idealerweise wird dann noch vor Ort recycelt und so entstandenes Material gleich wieder in den Kreislauf zurückgebracht.

MINT: Herr Bauer, Ihre Bereiche sind Geotechnik und Altlasten. Welchen Stellenwert hat hier das Thema Recycling?

Thomas Bauer: Bis vor zehn Jahren war Recycling kein wichtiges Thema. Heute ist es sehr relevant. Allein bei Bahn-Projekten können viele Baumaterialien nach dem Abbruch vor Ort wiedereingesetzt werden. Andere müssen genau unter die Lupe genommen werden. Die meisten Flächen sind standorttypisch verunreinigt – etwa durch alte Aschen aus den Zeiten des Dampflokbetriebs, Teerabfälle, Kupfer aus den Oberleitungen, Verunreinigungen von Eigentankstellen.

MINT: Wie sehen Sie das, Herr Zeltner? 

Jenö Zeltner: Flächenrecycling ist nur ein Aspekt. Die Projekte, an denen Nickol & Partner für die Bauherren DB Netz AG und DB Station & Service AG mitwirkt, dienen in besonderer Weise der Nachhaltigkeit, weil sie durch die Schwerpunktthemen Modernisierung, Digitalisierung, Automatisierung und Streckenelektrifizierung zum einen die Attraktivität der Bahn im Personenverkehr (Barrierefreiheit, bessere Information für den Fahrgast, Pünktlichkeit) aber auch im Güterverkehr (Automatisierung beim Umschlag) steigern, zum anderen den Verbrauch fossiler Brennstoffe deutlich reduzieren (Streckenelektrifizierung). Wobei ich betonen möchte, dass Bahnprojekte per se schon nachhaltig sind. Die Bahn steht für klimafreundliches Reisen und CO2-sparenden Gütertransport. 

MINT: Ein Satz zu möglichen Lösungen und Visionen? 

Jenö Zeltner: An den Schwerpunktthemen Modernisierung, Digitalisierung, Automatisierung und Streckenelektrifizierung weiterarbeiten sowohl im Personenverkehr als auch im Güterverkehr.

Markus Gogl: Mehr innerstädtische Möglichkeiten zur Wiederaufbereitung schaffen, also entsprechende Rohstofflager, schon bei der Planung von neuen Projekten an die Zukunft denken – wohin beispielsweise mit Styropor-gefüllten Ziegeln oder Weichmachern in siebzig, achtzig, neunzig Jahren?

Peter Nickol: Noch nachhaltiger arbeiten im Bereich Beton- bzw. Baustoffrecycling und das Gesetz befolgen: Das Kreislaufwirtschaftsgesetz schreibt einen sortenreinen Abbruch vor. Die Abrissbirne ansetzen und den Schutt in ferne Deponien fahren, ist nicht mehr erlaubt.    

Markus Gogl leitet den Bereich "Flächenrecycling". Die Erstellung von Schadstoffgutachten sowie Sanierungskonzepte fallen in seinen Aufgabenbereich.
Peter Nickol, geschäftsführender Gesellschafter, wirkt seit vielen Jahren als Sachverständiger, erstellt Altlastengutachten und wird hinzugezogen, wenn es um brenzlige und teure Fälle geht.
Thomas Bauer leitet den Bereich "Geotechnik und Altlasten" und hat viel mit Verunreinigungen von Böden und Grundwasser zu tun sowie mit entsprechenden Schadstoffen..
Jenö Zeltner leitet den Bereich "Projektmanagement" wo es um Bau- und Ausführungsprojekte für die Bahn geht.

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